Hämatologische Diagnostik
Leitung
PD Dr. med. Karl-Anton Kreuzer
Kontakt
Klinik I für Innere Medizin
Uniklinik Köln
Labor für molekulare Hämatologie und Onkologie
Gebäude 13 (LFI), 4 OG, Raum 410
Kerpener Straße 62
50937 Köln
Telefon: +49 221 478-97382
Telefax: +49 221 478-97383
Routinediagnostik
Innerhalb des Schwerpunktes Hämatologische Diagnostik erfolgen die Routine- und Studienuntersuchungen im Labor für molekulare Hämatologie und Onkologie der Klinik I für Innere Medizin.
Im zytomorphologischen Arbeitsbereich des Labors werden Blut- und Knochenmarkausstrichen sowie sämtliche Punktionsmaterialien (z.B. Ergüsse, Liquor, Lymphknoten) mit einem ausgedehnten Spektrum von Übersichts- und Spezialfärbungen untersucht. Hierzu stehen moderne Lichtmikroskope mit einer „High-End-Optik“ zur Verfügung (Zeiss Axiophot®, AxioImager®). Das Labor ist zudem via digitaler Bildübertragung im Rahmen von Live-Schaltungen (Telemikroskopie) mit anderen Experten vernetzt, so dass mikroskopische Bilder übertragen und schwierige Fälle kritisch diskutiert werden können. Ein weiteres Mikroskop ist mit einer 5-fach-Mitbeobachetereinrichtung versehen und gleichzeitig mit einer Mikroskopkamera an einen 58''-Plasmabildschirm angeschlossen. Auf diese Weise können interessante Fälle auch in kleineren Gruppen besprochen werden.
Klinikintern werden darüber hinaus tagesaktuelle Fälle innerhalb der regelmäßigen Besprechungen per Videoprojektion demonstriert und erläutert.
Im durchflusszytometrischen Arbeitsbereich des Labors erfolgt die Immunphänotypisierung von Leukämien, Lymphomen und weiterer hämatologischer Erkrankungen. Hierzu stehen ein 4-Farben, zwei 5-Farben und ein 10-Farben-Durchflusszytometer zur Verfügung. Neben der Routinediagnostik klinikinterner und auswärtiger Proben führt das Labor für die Deutsche CLL-Studiengruppe sowie industrielle Auftraggeber die zentrale immunphänotypische Diagnostik großer multizentrischer Therapiestudien zur CLL durch.
Das methodische Spektrum wird ferner durch den molekulargenetischen Arbeitsbereich ergänzt. Hier werden klonale Marker bei akuten und chronischen Leukämien (z.B. BCR-ABL, AML1/ETO, CBFβ/MYH11, FLT3- und NPM1-Mutationen) qualitativ und quantitativ bestimmt. Ferner erfolgt die Untersuchung diagnostisch und prognostisch bedeutsamer molekulargenetischer Veränderungen (z.B. JAK2-V617-Mutation, IgVH-Mutationsstatus).
Im zytogenetischen Arbeitsbereich des Labors werden konventionelle zytogenetische Untersuchungen (Karyogramme) sowie Fluoreszenz-in-situ-Hybridisierungen (FiSH) durchgeführt. Hierbei kommt eine automatisierte Mikroskopier- und Analysetechnik (Zeiss AxioImager®, Metasystems Metafer®) für den Hochdurchsatz zur Anwendung.
Schließlich kommt dem Labor für molekulare Hämatologie und Onkologie eine wichtige Rolle bei der Aus- und Weiterbildung der ärztlichen Klinikmitarbeiter zu. Innerhalb eines Rotationssystems werden Weiterbildungsassistenten in der hämatologischen Diagnostik unterwiesen. Darüber hinaus werden aktuelle Fälle den behandelnden Kollegen demonstriert und es finden regelmäßig zertifizierte Fortbildungsveranstaltungen, u.a. der Kölner Hämatologie-Kurs, statt.
Das Labor verfügt darüber hinaus über einen wissenschaftlichen Arbeitsbereich, mit Forschungsthemen sowohl aus dem Bereich der Labordiagnostik als auch auf dem Gebiet der Pathophysiologie und experimentellen Therapie akuter und chronischer Leukämien sowie lymphoproliferativer Erkrankungen.
Anforderungsschein
Bitte benutzen Sie für die Anforderung von Untersuchungen unseren Anforderungsschein. Das Labor ist an allen Werktagen besetzt. Um eine gute Auswertbarkeit zu gewährleisten, sollten Blut- und Knochenmarkproben innerhalb von 48 Stunden nach Abnahme das Labor erreichen. Alle anderen Punktionsmaterialien müssen innerhalb von maximal 8 Stunden nach Abnahme bearbeitet werden.
Mitarbeiter
Wissenschaftliche Mitarbeiter
Dr. rer. nat. Iris Gehrke
Dr. med. Marco Herling
Dr. med. Eva Heuser
Dipl.-Biol. Cristiano Krings-Rocha
M.Sc. Inka Praulich
Dr. med. Carmen Schweighofer
Technische Assistentinnen
Anne Albrecht, BTA
Sabrina Aschermann, MTA
Andrea Bauditz, MTA
Sabine Hallmann, MTA
Stephanie Hippler, MTA
Susanne Koch, MTA
Barbara Pentok, MTA
Anja Reuter, MTA
Eva M. Vogt, MTA
Doktoranden
Felix Erdfelder, cand. med.
Alexandra Filipovich, cand. med.
Magdalena Hertweck, cand. med.
Alexandros Liakos, Apotheker
Julian Paesler, Apotheker
Lukas Peiffer, Apotheker
Birgit Poetzsch, Apothekerin
Simon Poll-Wolbeck, Dipl.-Biol.
Christina Schmidt, Apothekerin
Sabrina Uhrmacher, cand. med.
Teamassistentin
Nicole Themel
Forschungsschwerpunkte
Pathophysiologie der Chronischen lymphatischen Leukämie
Die Chronische lymphatische Leukämie (CLL) ist gekennzeichnet durch eine langsame Proliferation maligner monoklonaler B-Zellen und einem gleichzeitig bestehenden apoptotischen Block. Die akkumulierenden CLL-Zellen besitzen einen reifen Phänotyp und sind u.a. durch die Oberflächenmerkmale CD5, CD19 und CD23 charakterisiert. Bis dato konnte kein alleiniger pathogenetischer Mechanismus identifiziert werden, statt dessen ist davon auszugehen, dass gleichzeitige Alterationen in verschiedenen Signalkaskaden zur Dysregulation des Zellzyklus und der Apoptoseinduktion führen.
In unserer Arbeitsgruppe beschäftigen wir uns mit ausgewählten Signaltransduktionswegen, die bei der CLL verändert sind. Indem wir einzelne Komponenten dieser Signalkaskaden gezielt in vitro hemmen, soll untersucht werden, welche Transduktionswege für den apoptotischen Block in CLL-Zellen bedeutsam und welche Proteine innerhalb einer Kaskade hierfür entscheidend sind. Bei diesen Untersuchungen konzentrieren wir uns insbesondere auf Gene, die in der physiologischen Hämatopoese nur eine untergeordnete oder keine Rolle spielen. Ziel dieser Vorhaben ist es, für die Pathogenese der CLL essentielle Faktoren zu identifizieren, die als Zielstrukturen für spezifische Therapieansätze dienen können.
Evaluation neuer molekularer Verlaufsparameter bei der Chronischen lymphatischen Leukämie
Trotz erheblicher Behandlungsfortschritte zählt die CLL nach wie vor zu den Erkrankungen, die mit Standardtherapien nicht kurativ zu behandeln sind. Zur Beurteilung des Therapieansprechens wird der Remissionsstatus in vielen Fällen klinisch bzw. mikroskopisch ermittelt. Eine sensitivere Verlaufskontrolle kann via Durchflusszytometrie oder, sofern chromosomale Aberrationen vorliegen, durch zytogenetische Untersuchungen erfolgen.
Neuere Therapie, von denen erhofft wird, dass sie rascher und effizienter wirken, machen es erforderlich, dass Methoden etabliert werden, die einerseits empfindlicher sind und gleichzeitig quantitative Aussagen über die Dynamik der malignen Zellpopulation zulassen. Hierfür bieten sich sensitive PCR-basierende Techniken an. In unserer Arbeitsgruppe bemühen wir uns, Gene zu identifizieren, die ein für die CLL typisches Expressionsmuster aufweisen. Mit Hilfe der quantitativen Real-time (RT-)PCR vergleichen wir die Expressionsstärke verschiedener Genabschnitte in physiologischen Leukozyten bzw. B-Zellen und CLL-Zellen. Zur Beurteilung ziehen wir u.a. bereits etablierte prognostische Parameter heran und setzen unsere Untersuchungsergebnisse in das Verhältnis zum Krankheitsverlauf.
Experimentelle Therapie der Chronischen lymphatischen Leukämie mit selektiven Signaltransduktionsinhibitoren
Wiewohl die Pathogenese der CLL nach wie vor im Dunklen liegt, sind mittlerweile eine Reihe von intrazellulären Signalkaskaden beschrieben worden, die im Vergleich zu normalen B-Lymphozyten bei CLL-Zellen auffällig verändert sind. Hierunter befinden sich auch Signalwege, die bei physiologischen B-Zellen entweder nur sehr geringgradig aktiv sind oder aber gänzlich ausgeschaltet erscheinen. Zum Teil handelt es sich um Proteine, die auch in anderen normalen Gewebearten wenig oder nicht exprimiert werden.
Mittlerweile konnten eine Reihe von selektiven Signaltransduktionsinhibitoren identifiziert werden, die in der Lage sind, einige intrazelluläre Signalwege mit hoher Spezifität zu hemmen. Sofern es sich hierbei um sogenannte small molecule inhibitors handelt, besteht dabei häufig der Vorteil, daß sie einfach herzustellen sind und ein hohes Potential für eine orale Anwendbarkeit besitzen. In unserer Arbeitsgruppe untersuchen wir verschiedene dieser Substanzen hinsichtlich ihrer Wirksamkeit auf CLL-Zellen. Dabei analysieren wir die Behandlungseffekte auf die entsprechenden Signalwege und setzen diese in Beziehung zu dem letztlich erwünschten Ziel, der Apoptose-Induktion bei malignen Zellen.
Evaluation bekannter und neuer molekularer Verlaufsparameter sowie Untersuchungen zur Therapieresistenz bei akuten und chronischen Hämoblastosen
Ein Teil der akuten myeloischen und lymphatischen Leukämien (AML und ALL) sowie die chronische myeloische Leukämie (CML) zeichnen sich durch charakteristische molekulargenetische Veränderungen aus. In der Mehrzahlhandelt es sich dabei um die Resultate chromosomaler Translokationen, wie etwa das sogenannte Philadelphia-Chromosom [t(9;22)] und dem korrespondierenden BCR/ABL-Fusionsgen bei der CML. Sofern ein solcher molekularer Marker vorliegt, kann durch sensitive molekulargenetische Untersuchungen (Polymerasekettenreaktion) festgestellt werden, ob und in welchem Ausmaß die maligne Population in verschiedenen Erkrankungs- und Behandlungsstadien nachzuweisen ist.
Neben der Diagnostik mit bereits etablierten molekularen Verlaufsparametern bemühen wir uns, insbesondere bei molekular undefinierten Hämoblastosen neue Parameter zu entwickeln, welche Aufschlüsse über den Erkrankungsverlauf liefern können. Hierbei bedienen wir uns neuerer Erkenntnisse über das differentielle Expressionsmuster maligner Klone. Die Kandidatengene werden in größeren Kohorten von Leukämiepatienten untersucht und hinsichtlich ihrer prognostischen Aussagekraft analysiert.
Methoden
Zellbiologie
- Magnetic Cell Sorting (MACS®)
- Automatisierte Objektträgerfärbung (PolyStainer®)
- Konventionelle zytomorphologische Untersuchungen (Zeiss AxioImager®)
- Fluoreszenz-Mikroskopie (Zeiss AxioScope®)
- Kultivierung adhärenter und nicht-adhärenter Zellinien
- Ex vivo-Kultivierung primärer Zellpopulationen
- Haltung immunkompetenter und –inkompetenter Mäuse
- Etablierung und Nutzung von Maus-Tumormodellen (Xenotransplantation)
- Generierung transgener Mäuse (Kooperationsprojekte)
Proteinchemie
- Automatisierte Probenvorbereitung (Beckman Coulter TQ-Prep®)
- 4-Farben-Durchflusszytometrie (Beckmann Coulter Epics XL®)
- 5-Farben-Durchflusszytometrie (Beckmann Coulter FC-500®)
- 10-Farben-Durchflusszytometrie (Beckman Coulter Navios ®)
Nukleinsäurenanalytik
- DNA- und RNA-Extraktion (QIAcube®)
- Reverse Transkription (RT)
- Koventionelle (RT-)PCR und nested (RT-)PCR
- Gelelektrophorese
- Kapillarelektrophorese (QIAxcel®)
- Quantitative Echtzeit-Fluoreszenz-(RT-)-PCR (LightCycler 1.0® und 480®),
- DNA-Ligation, Transformation und Klonierung
- DNA- und RNA-Transfektion
Mutations- und Sequenzanalysen
- Fluoreszenz-gestützte Mutationsanalyse und Allel-Diskriminierung (HybProbes®)
- Peptid nucleic acid clamping Assays (PCA)
- PCR-Restriktionsfragment-Längenpolymorphismus (PCR/RFLP)
- DNA-Schmelzpunktanalysen
- DNA-Sequenzierung
Zytogenetik und FISH
- Automatisierte Bildaquisition (Zeiss AxioImager® und Metasystems Metafer®)
- Karyogramme (Metasystems Ikaros®)
- FISH und multicolor-FISH (Metasystems Isis®)
Drittmittelförderungen
Neben der Unterstützung, die wir durch industrielle Drittmittelgeber erhalten, wurden bzw. werden die Vorhaben unserer Arbeitsgruppe von den folgenden Institutionen gefördert:
Boehringer Ingelheim Fonds, Heidesheim
Berliner Krebsgesellschaft, Berlin
Deutsche Forschungsgemeinschaft, Bonn
Deutsche José Carreras Leukämie-Stiftung e.V., München
Deutsche Krebshilfe, Bonn
Dr. Axe-Stiftung, Bonn
Elisabeth Schumann-Stiftung, Frechen
Else Kröner-Fresenius-Siftung, Bad Homburg v.d.H.
Köln Fortune, Köln
Liesegang-Stiftung, Köln
Otto Böcker-Stiftung, Köln
Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft, Essen
Wilhelm Sander-Stiftung, München
Doktorarbeiten
In unserer Arbeitsgruppe sind regelmäßig Forschungsthemen an Medizinstudenten zum Erwerb des Doctor medicinae (Dr. med.) zu vergeben. Darüber hinaus besteht für nicht-medizinische Naturwissenschaftler die Möglichkeit, bei uns eine Arbeit für die Promotion zum Doctor rerum medicinalium (Dr. rer. medic.) anzufertigen. Bei Projekten, die in Zusammenarbeit mit der Naturwissenschaftlichen Fakultät durchgeführt werden, kann der akademische Grad des Doctor rerum naturalium (Dr. rer. nat.) erworben werden. Doktorarbeiten, die mit einem Anstellungsverhältnis verbunden sind (TV-L Verg.-Gr. 13/2) oder vakante Positionen für Postdoktoranden (TV-L Verg.-Gr. 13) schreiben wir öffentlich aus.
Publikationen
Eine aktuelle Übersicht publizierter Manuskripte der Arbeitsgruppe finden Sie auf der Website von PubMed.

