Stammzelltransplantation

Die Stammzelltransplantation (SZT) ist eine Behandlungsmethode für Blut- und Lymphdrüsenkrebs. Dabei wird zur Vorbereitung das erkrankte blutbildende System des Patienten durch eine Chemotherapie, gelegentlich in Kombination mit einer Bestrahlung, zurückgedrängt. Danach wird es mittels einer Infusion von gesunden Blutstammzellen wieder neu aufgebaut. Bei der allogenen Stammzelltransplantation stammen diese Blutstammzellen von einem geeigneten Spender, während bei der autologen Transplantation patienteneigene Stammzellen übertragen werden.

Das Ziel der autologen Stammzelltransplantation ist es, eine möglichst hochdosierte Chemotherapie anwenden zu können, um damit den Tumor zu zerstören. Das Ziel der allogenen Stammzelltransplantation ist der Aufbau des Spenderimmunsystems im Patienten, das dann die Krebserkrankung als 'fremd' erkennt und zerstört. Die Station befindet sich im Bettenhaus, Ebene 04.

Zur Person

Professor Christoph Scheid studierte Medizin an den Universitäten Bonn, Köln und Clermont-Ferrand. Nach Promotion und ärztlicher Prüfung 1991 war er als Stipendiat der Deutschen Krebshilfe am Paterson Institute for Cancer Research in Manchester tätig und befasste sich mit der Erforschung von Veränderungen des Immunsystems durch experimentelle Tumortherapien z.B. Interleukin-6 oder dem Proteinkinase-C-Aktivator Bryostatin-1. Zusätzlich untersuchte er die Erholung der Immunfunktion nach Transplantation von autologen peripheren Blutstammzellen, einem damals noch sehr neuen Verfahren. Nach seinem Wechsel an die Klinik I für Innere Medizin der Uniklinik Köln 1994 brachte er seine Erfahrungen in den Aufbau eines autologen und später auch allogenen Transplantationsprogramms in Köln ein und übernahm später die Leitung des Labors für Stammzelltransplantation und der Stammzellherstellung. Seit 2001 ist Professor Scheid Facharzt für Innere Medizin und führt seit 2004 die Zusatzbezeichnung Hämatologie und internistische Onkologie. Seit 2002 leitet er als Oberarzt die Station und die Transplantationsambulanz (KMT), die Hämapherese sowie den Schwerpunkt Stammzelltransplantation (KMT). Zusätzlich ist er Transfusionsbeauftragter der Klinik I für Innere Medizin. 2005 habilitierte sich Professor Scheid im Fach Innere Medizin.

Forschungsschwerpunkte

  • Optimierung der autologen Stammzelltransplantation und Stammzellgewinnung
  • Erforschung der Rolle von Stammzellen im Rahmen ischämischer Herzerkrankungen
  • Allogene Stammzelltransplantation

Klinische Schwerpunkte

Klinische Schwerpunkte sind neben der Stammzelltransplantation die Behandlung der chronischen myeloischen Leukämie und des multiplen Myeloms. Professor Scheid ist Mitglied der Studienleitgruppe der GMMG-HD4 Myelom-Studie unter Leitung von Prof. H. Goldschmidt. Er ist Mitglied zahlreicher nationaler und internationaler Fachgesellschaften sowie Autor und Koautor einer Reihe von Publikationen.

Autologe Stammzelltransplantation

Seit 1992 werden in Köln autologe Stammzelltransplantationen durchgeführt, bei denen patienteneigene, zuvor gesammelte und kryokonservierte Stammzellen transplantiert werden. Die Sammlung von Stammzellen geschieht in der Abteilung für Hämapherese der Klinik I für Innere Medizin, die Aufbereitung und Lagerung der Stammzellen erfolgt im eigenen Stammzell-Labor. Jedes Jahr werden in unserer Klinik bei etwa 120-140 Patienten autologe Stammzellen transplantiert.

Folgende Erkrankungen werden in unserer Klinik häufig mit einer autologen SZT behandelt: Hodgkin- und Non-Hodgkin-Lymphome, multiples Myelom

Allogene Stammzelltransplantation

Seit 1999 erfolgen auch allogene Stammzelltransplantationen, derzeit etwa 90-100 pro Jahr. Hierbei werden den Patienten nach einer intensiven Chemotherapie - gegebenenfalls kombiniert mit einer Ganzkörperbestrahlung - Stammzellen eines gesunden Spenders transplantiert. Es kommen bevorzugt Stammzellen eines verwandten Spenders zum Einsatz, die in der Hämaphereseabteilung aus dem peripheren Blut gesammelt werden. Diese Stammzellspende erfolgt grundsätzlich ambulant. Steht kein geeigneter verwandter Stammzellspender zur Verfügung, wird in weltweiten Stammzellregistern nach einem passenden, nicht verwandten Spender gesucht. Diese Spendersuche erfolgt in der Transfusionsmedizin des Klinikums. Dort wird auch ein Register für Stammzellspender geführt, bei dem sich Interessierte informieren und als Stammzellspender registrieren lassen können. Auch die Deutsche Knochenmarkspenderdatei steht hierfür zur Verfügung. Voraussetzung für eine Stammzellspende ist eine Analyse von Gewebemerkmalen auf weißen Blutzellen, die so genannte HLA-Typisierung, für die eine einfache Blutentnahme ausreicht und die in der Abteilung für Transfusionsmedizin durchgeführt wird.

Folgende Erkrankungen werden in unserer Klinik häufig mit einer allogenen SZT behandelt: Akute myeloische Leukämie, akute lymphatische Leukämie, chronische lymphatische Leukämie, chronische myeloische Leukämie, Hodgkin- und Non-Hodgkin-Lymphome, multiples Myelom, Myelodysplastische Syndrome, Aplastische Anämie, Fanconi Anämie etc.

Vorbereitung & Nachsorge

Die Vorbereitung und die Nachsorge wird in der Jose-Carreras-Tagesklinik für Stammzelltransplantation durchgeführt. Dieses Angebot steht aufgrund einer großzügigen Förderung der Deutschen Jose Carreras Leukämiestiftung (DJCLS) zur Verfügung. Einen besonderen Schwerpunkt stellt dabei die umfassende Betreuung der Patienten dar. Hierfür stehen neben erfahrenen Transplantationsärzten auch Patientenlotsen sowie eine Psychologin bereit, die in Kooperation mit dem Haus LebensWert eine ambulante psycho-onkologische Beratung anbieten. Das Team der Jose-Carreras-Tagesklinik organisiert einmal im Jahr einen Patiententag, an dem sich transplantierte Patienten treffen und über neue Entwicklungen in der Stammzelltransplantation informieren können.

Sollte im Rahmen einer Transplantation eine engmaschige Überwachung notwendig werden, kann dies auf der abteilungseigenen 14-Betten Intensivstation 4b oder der 10-Betten Intermediate Care Station 11.2 erfolgen. Diese Stationen sind inhaltlich und personell eng mit dem Schwerpunkt Stammzelltransplantation verknüpft. Sie sind auf die Versorgung von Transplantationspatienten spezialisiert und werden ständig von einem Oberarzt mit der Qualifikation Hämatologie und Intensivmedizin zusammen mit dem Transplantationsteam betreut. Unsere KMT Station 4a verfügt über 14 Einzelzimmer.

Eine Besonderheit wird die Stammzelltransplantation von Kindern in Zusammenarbeit mit der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin und die direkte Nachbarschaft zur Intensivstation sein. Dieses einzigartige, interdisziplinäre Konzept erlaubt eine fächerübergreifende 'Rundum'-Versorgung, ohne dass Verlegungen die Behandlung und den Informationsfluss erschweren.

Wissenschaft

Die Knochenmarktransplantation stellt für viele Patienten eine vielversprechende Therapie von schwerwiegenden Erkrankungen des Blutes und Lymphsystems dar. Trotzdem handelt es sich um eine relativ neue Therapieform, die sehr komplex und daher wenig standardisiert ist. Trotz weit entwickelter Verfahren der Typisierung gelingt es nicht immer, durch Auswahl eines passenden Spenders eine Abstoßungsreaktion zu verhindern. Diese Graft versus Host Disease (GVHD) wird in die akute GVHD (bis 100 Tage nach Transplantation, aGVHD) und die chronische GHVD (ab 100 Tagen nach Transplantation, cGVHD) eingeteilt. Sie kann in der Regel durch stärkere Immunsuppressiva beherrscht werden. Nachteil einer solchen immunsuppressiven Therapie ist die erhöhte Infektanfälligkeit und die Reduktion der Tumorkontrolle durch das neue Immunsystem (Graft versus Leukemia/Lymphoma Effekt, auch GVL genannt).

An allen drei Aspekten der Abstoßung (GVHD), der Tumorkontrolle (GVL) und Infektionen wird im Kölner Transplantationsprogramm aufgrund einer einzigartigen Vernetzung von immunologisch und infektiologisch ausgewiesenen Arbeitsgruppen gearbeitet. Der besondere Schwerpunkt liegt in der Optimierung des GVL/GVHD Verhältnisses, das heißt einer Verbesserung der Tumorkontrolle bei weniger Abstoßungsreaktionen. Um dies zu erreichen, existiert als Forum für die im Transplantationsprogramm tätigen Labore und Nachwuchsgruppen der Arbeitskreis "Stammzelltransplantation und Zelluläre Therapien". In diesem Rahmen werden sowohl Laborforschungsprojekte als auch klinische Studien interdisziplinär entwickelt.

Klinische Studien

Die aktiven Studien finden Sie im Studienregister.

Kooperationen

Neben der eigenen Forschung unterstützen die Mitarbeiter der Kölner Stammzelltransplantation die Wissenschaftliche Weiterentwicklung ihres Faches durch Mitgliedschaft und aktive Teilnahme in folgenden Verbänden/Kooperationen:

EBMT (European Group for Blood and Marrow Transplantation (Zentrum: CIC 534))
DRST (Deutsches Register für Stammzelltransplantation)
DAG-KBT (Deutsche Arbeitsgemeinschaft Knochenmark und Blutstammzelltransplantation)
Deutsche Kooperative Transplantationsgruppe
Mixed Chimerism Consortium (Fred Hutchinson Cancer Research Center, Seattle)
Division of Blood and Marrow Transplantation Stanford School of Medicine
Stem Cell Transplantation Program, UPMC Cancer Center
Dana Farber Cancer Institute, Harvard Medical School
GMMG (German Multiple Myeloma Study Group)
DCLLSG (Deutsche CLL Studiengruppe)
GHSG (Deutsche Hodgkin Studiengruppe)
KIMT (Verein für immunologische Krebs-Therapie)
DGHO (Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie)
Kompetenznetwerk Sepsis
DIVI (Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin e.V.)
DGIM (Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin)
ESICM (European Society of Intensive Care Medicine)

Ausgewählte Publikationen

Scheid C, Sonneveld P, Schmidt-Wolf IG, van der Holt B, El Jarari L, Bertsch U, Salwender H, Zweegman S, Blau IW, Vellenga E, Weisel K, Pfreundschuh M, Jie KS, Neben K, van de Velde H, Duehrsen U, Schaafsma MR, Lindemann W, Kersten MJ, Peter N, Hänel M, Croockewit S, Martin H, Wittebol S, Bos GM, van Marwijk-Kooy M, Wijermans P, Goldschmidt H, Lokhorst HM
Bortezomib before and after autologous stem cell transplantation overcomes the negative prognostic impact of renal impairment in newly diagnosed multiple myeloma: a Subgroup Analysis From the HOVON-65/GMMG-HD4 Trial
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Plerixafor to rescue failing chemotherapy-based stem cell mobilization – it’s not too late
Leuk Lymphoma, in press

Straka C, Sandherr M, Salwender H, Wandt H, Metzner B, Hübel K, Silling G, Hentrich M, Franke D, Schwerdtfeger R, Freund M, Sezer O, Giagounidis A, Ehninger G, Grimminger W, Engert A, Schlimock G, Scheid C, Hellmann P, Heinisch H, Einsele H, Hinke A, Emmerich B
Testing G-CSF responsiveness predicts the individual susceptibility to infection and consecutive treatment in recipients of high-dose chemotherapy
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Plerixafor is effective and safe for stem cell mobilization in heavily pretreated germ cell tumor patients
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Hübel K, Fresen MM, Salwender H, Basara N, Beier R, Theurich S, Christopeit M, Bogner C, Galm O, Hartwig R, Heits F, Lordick F, Rösler W, Wehler D, Zander AR, Albert M, Dressler S, Ebinger M, Frickhofen N, Hertenstein B, Kiehl M, Liebler S, von Lilienfeld-Toal M, Weidmann E, Weigelt C, Lange F, Kröger N
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Das Team

Oberärzte
Prof. Dr. Kai Hübel
Priv.-Doz. Dr. Mathias Kochanek

AG-Leiter / Projektleiter
Prof. Dr. Kai Hübel
Prof. Dr. Christoph Scheid

Fach- und Assistenzärzte
Dr. Birgit Cremer
Dr. Maximilian Fresen
Dr. Marco Herling
Priv.-Doz. Dr. Udo Holtick (PostDoc)
Dr. Anke Krause
Dr. Alexander Shimabukuro-Vornhagen (PostDoc)

Pflegeteamleitung
Christina Heinz

Patientenlotsen / Koordination
Heike Kern
Ellen Körfgen
Caroline Schulte
Peter Sinnwell

Psychologen
Mareike Romünder
Christiane Muth
Kerstin Schulz

Hämapherese
Özlem Aylikci
Annegret Böing
Renate Eichholz
Susanne Hoffmann

Stammzelllabor
Ute Groddeck
Christianne Moraes-Grutzka
Linda Wilhelm

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