Hodgkin-Lymphom

Das Hodgkin-Lymphom hat sich seit Einführung der Polychemotherapie zu der am besten behandelbaren malignen Krebserkrankung im Erwachsenenalter entwickelt. Insgesamt werden mehr als 80 % aller betroffenen Patienten geheilt. Allein in Deutschland leben derzeit etwa 80.000 ehemalige Hodgkin-Patienten und stellen somit die größte Gruppe „Krebsüberlebender“ dar.

Zu dieser Entwicklung hat die Deutsche Hodgkin-Studiengruppe (German Hodgkin Study Group, GHSG) erheblich beigetragen. Die GHSG wird von Prof. Dr. Dr. h.c. Andreas Engert geleitet wird.

Zur Person

Kurzbiografie

Professor Engert studierte und promovierte an der Medizinischen Hochschule in Hannover Humanmedizin und begann seine klinische Ausbildung zunächst an der Medizinischen Universitätsklinik in Köln. Von 1988 bis 1990 arbeitete er im Rahmen eines DFG Stipendiums am Imperial Cancer Research Fund, London, an der Entwicklung von neuen immuntherapeutischen Ansätzen für lymphatische Neoplasien. Im Herbst 1990 kehrte er nach Köln zurück und etablierte ein klinisch-wissenschaftliches Phase I/II Programm zur Evaluation Antikörper-basierter Immuntherapien. 1995 habilitierte er und wurde im selben Jahr zum Oberarzt ernannt. Er stand von 1997 bis 2000 dem Hämatologischen Labor der Klinik vor und leitete das Studiensekretariat der Klinik bis 2004. Von 1996 bis 2000 war er als Personaloberarzt tätig und ist seit 2000 Stellvertreter des Klinikdirektors. 2001 wurde er zum Universitätsprofessor der Medizinischen Fakultät auf eine C3 Stelle berufen.

Seit dem Jahr 2007 leitet Prof. Engert als Chairman die Deutsche Hodgkin StudiengruppeGHSG. In der GHSG sind insgesamt mehr als 400 Kliniken und Tumorzentren aus fünf europäischen Ländern vernetzt.

Professor Engert ist Mitglied vieler nationaler und internationaler Fachverbände und Gesellschaften und leitete die Cochrane Hematological Malignancies GroupCHMG von 2000 - 2014 als Co-ordinating Editor. Für seine ärztlich-wissenschaftliche Arbeit wurde er mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, darunter der AIO Wissenschaftspreis 2011 und der Paul-Martini Preis 2013. Im Mai 2012 verlieh ihm die Universität Belgrad die Ehrendoktorwürde.

Forschungsschwerpunkte

Der Forschungsschwerpunkt ist die Prognoseverbesserung von Patienten mit malignen Lymphomen. Hierzu wurden Therapien mit Antikörper-Konjugaten entwickelt, um maligne Zellen zielgerichtet zu zerstören. Neben Immuntoxinen, Antikörper-Drug Konjugaten, Radioimmunkonjugaten, bispezifischen oder vollständig humanen Antikörpern werden auch Immunliganden untersucht, die maligne Lymphomzellen durch natürliche Killerzellen (NK-Zellen) zerstören.

Ein weiterer wichtiger Schwerpunkt ist die Entwicklung der MRD-Diagnostik beim Hodgkin-Lymphom sowie die Weiterentwicklung von Kombinationstherapien mit Immuncheckpoint-Inhibitoren.

Klinische Schwerpunkte

Klinischer Schwerpunkt von Professor Engert ist die Behandlung von Patienten mit hämatologischen Neoplasien. Er betreut den onkologischen Konsiliardienst sowie nationale und internationale Konsultationen für Patienten mit Hodgkin-Lymphomen. Als Leiter der Deutschen Hodgkin Studiengruppe GHSG ist er für die Planung und Durchführung klinischer Studien der Phase I-III verantwortlich. Durch neue Therapieansätze soll die Behandlung sowohl besser verträglich als auch noch effektiver werden.

Aktuelle Schwerpunkte sind hier die Entwicklung von neuen Kombinationen mit Immuncheckpoint-Inhibitoren.

Die Therapie von Patienten mit Hodgkin Lymphom basiert im wesentlichen der Chemotherapie, die in frühen und mittleren Stadien mit einer lokalisierten Strahlentherapie im sog. Involved Field (IFRT) oder Involved Site (ISRT) kombiniert wird. Die im New England Journal of Medicine erschienene HD10 Studie der GHSG zeigte, dass Patienten in frühen Stadien (early favorable) nur noch mit zwei Zyklen ABVD und einer Bestrahlung von 20 Gy im IFRT oder ISRT behandelt werden müssen. In mittleren Stadien (early unfavorable) werden in der Regel 4 Zyklen Chemotherapie mit nachfolgender Strahlentherapie kombiniert.


Für Patienten in fortgeschrittenen Stadien hat die GHSG ein Dosis-intensives Regime entwickelt (BEACOPPeskaliert), das zu einer deutlichen Verbesserung der Heilungsrate betroffener Patienten geführt hat. BEACOPP wird mittlerweile in den meisten europäischen Therapie-Algorithmen für Patienten in fortgeschrittenen Stadien verwendet. Die kürzlich veröffentlichte HD18 Studie der GHSG zeigte, dass diejenigen Patienten, die nach 2 Zyklen BEACOPP in der Positronen-Emissions-Tomographie (PET) negativ waren, nur noch 4 Therapiezyklen insgesamt benötigen. Durch die Reduktion der Mortalität konnte eine weitere signifikante Verbesserung des Gesamtüberlebens mit 4 Zyklen BEACOPPeskaliert auf 99% nach 3 Jahren erreicht werden.

Aufgrund des in der Regel jungen Alters (im Mittel 34 Jahre) und der hohen Heilbarkeit von Hodgkin-Patienten bestehen Risiken für die Entwicklung von Spätschäden wie Zweittumoren, Herz- und Lungenerkrankungen, Fatigue und Infertilität. Deshalb  hat die Erforschung von Spätnebenwirkungen der Therapie einen sehr großen Stellenwert bei der Planung und Durchführung neuer Therapiekonzepte. Auftretenden Nebenwirkungen werden systematisch erfasst, um Risikofaktoren für die Entwicklung spezieller Spätschäden zu finden.

Schwerpunkt der aktuellen Therapieforschung sind neue zielgerichtete Therapeutika. Bereits durch das Antikörper-Drug-Konjugat Brentuximab Vedotin konnte eine erhebliche Therapieverbesserung bei intensiv vorbehandelten Patienten mit einem klassischen Hodgkin Lymphom erreicht werden. Brentuximab Vedotin ist mittlerweile auch für die Konsolidierung von Rezidiv-Patienten nach autologer Stammzelltransplantation zugelassen. Eine neue Dimension in der Krebstherapie stellen Antikörper gegen den programmend death-Rezeptor 1 (PD1) dar, die insbesondere beim Hodgkin Lymphom selbst bei völlig austherapierten Patienten noch zu anhaltenden Remissionen führen können. Bisher sind für das rezidivierte und refraktäre Hodgkin Lymphom sowohl Nivolumab als auch Pembrolizumab zugelassen. Die GHSG arbeitet sehr intensiv an neuen innovativen Kombinationen unter Einsatz von Brentuximab Vedotin und PD1-Inhibitoren mit dem Ziel, die Intensität der Chemo- und Strahlentherapie weiter zu reduzieren.

Zu unserem Studienregister

Unsere Studiengruppe richtet in regelmäßigen Abständen den Internationalen Kongress zum Hodgkin Lymphom aus, an dem zuletzt mehr als 1200 Forscher und Kliniker aus über 70 Ländern teilnahmen.

Darüber hinaus findet in der Regel einmal pro Jahr ein internationales Studientreffen statt, an dem Repräsentanten aus Deutschland, der Schweiz, Tschechien, Österreich, den Niederlanden, Polen, Australien u.a. Ländern teilnehmen. Unsere Studiengruppe kooperiert mit allen wesentlichen nationalen und internationalen Gruppen auf dem Gebiet des Hodgkin Lymphoms und verwandter Erkrankungen.

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