AG Klinische Mikrobiomforschung

Übergeordnetes Ziel der Arbeitsgruppe ist die Generierung und Validierung von Hypothesen zum Einfluss des menschlichen Mikrobioms auf verschiedene Krankheitsbilder. Dabei greifen wir sowohl auf Methoden der Grundlagenforschung und Bioinformatik, als auch auf verschiedene Formen klinischer Studien zurück.

Zur Person

Kurzbiografie

Priv.-Doz. Dr. Maria J.G.T. Vehreschild studierte von 2000 bis 2006 Humanmedizin an der Charité Universitätsmedizin Berlin. Dabei absolvierte sie die letzten 2 Jahre ihres Studiums an der Université Nice Antipolis in Nizza, Frankreich, der Universidade Federal de Minas Gerais und der Universidade de São Paulo, Brasilien. Besonders während ihres praktischen Jahres in Brasilien beschäftigte sie sich zunehmend mit infektiologischen Fragestellungen. Nach Abschluss ihres Studiums beendete sie ihre Doktorarbeit in der Abteilung für Neuroradiologie der Technischen Universität München und absolvierte den Diplomkurs Tropenmedizin am Bernhard Nocht Institut in Hamburg. Kurz darauf nahm sie ihre Tätigkeit als feste Mitarbeiterin im Klinischen Studienzentrum II für Infektiologie der Uniklinik Köln auf. Im September 2012 erwarb Sie den Facharzt Innere Medizin und konnte sich kurz darauf in diesem Fach habilitieren. 2014 erwarb sie zusätzlich noch das Weiterbildungszertifikat Infektiologe der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie (DGI). Im November 2016 erlangte sie die Facharztbezeichnung Innere Medizin/ Hämatologie/ Onkologie und ist seitdem als Oberärztin tätig.

Klinisch ist Maria Vehreschild sowohl im Bereich der Hämato-Onkologie als auch der Infektiologie tätig. Wissenschaftlich setzt sie ihren Schwerpunkt auf die Erforschung des Einflusses des menschlichen Mikrobioms auf verschiedene Krankheitsbilder. Diesbezüglich leitet sie verschiedene Projekte des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung sowie die Arbeitsgruppe Klinische Mikrobiomforschung.

Funktion/Arbeitsbereich

  • Stellvertretende Leitung des Studienzentrum II für Infektiologie
  • Wissenschaftliche Leiterin des Programms für Darmfloraübertragungen der Uniklinik Köln
  • Leiterin der AG Klinische Mikrobiomforschung

Forschungsschwerpunkte

  • Einfluss des menschlichen Darmmikrobioms auf die Genese und Therapie hämato-onkologischer Erkrankungen
  • Therapie der komplizierten und rezidivierenden Clostridium difficile Infektion
  • Epidemiologie und Therapie multiresistenter bakterieller Erreger in der Hämato-Onkologie
  • Invasive Mykosen in der Hämato-Onkologie

Klinisches und wissenschaftliches Programm zur Darmfloraübertragung bei rezidivierender C. difficile Infektion

Die Arbeitsgruppe konnte an der Uniklinik Köln ein klinisches und wissenschaftliches Programm für Darmfloraübertragungen aufbauen. Erst kürzlich ist es uns in Zusammenarbeit mit der Translational Research Platform des CECAD gelungen, Patienten mit rezidivierenden C. difficile Infektionen ohne endoskopische Unterstützung, allein durch die Gabe kryokonservierter Darmflorakapseln erfolgreich zu behandeln. In einem nächsten Schritt soll die Lagerung und Verabreichung der Kapseln durch eine Gefriertrocknung noch weiter erleichtert werden. Diese Technik ist theoretisch auch für die Herstellung von Therapien außerhalb der Indikation der rezidivierenden C. difficile Infektion anwendbar.

Um die hier entstehenden Erfahrungen mit anderen Ärzten teilen zu können und nationale Standards zu entwickeln, hat unser Team in Zusammenarbeit mit der Uniklinik Jena ein nationales Register für Darmfloraübertragungen (MikroTrans) aufgebaut.

Diese Behandlung fällt in Deutschland unter das Arzneimittelgesetz, ist aber nicht als Medikament zugelassen. Auch klinische multizentrische Studien, die diese Behandlung in verschiedenen Indikationen prüfen, konnten aufgrund einer fehlenden regulatorischen und infrastrukturellen Basis bisher in Deutschland nicht durchgeführt werden. Daher werden wir in einem nächsten Schritt in Zusammenarbeit mit dem Translational Project Management Office (TPMO) und der Clinical Trial Unit (CTU) des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF) die entsprechenden Voraussetzungen schaffen.

Deutsche Studiengruppe für Klinische Mikrobiomforschung

Das öffentliche und wissenschaftliche Interesse am menschlichen Mikrobiom nimmt stetig zu. So gibt es mittlerweile zahlreiche Hypothesen zu dessen Rolle in verschiedenen medizinischen Bereichen. Wenige dieser Zusammenhänge wurden bisher genau genug beschrieben, um wirksame Therapien generieren zu können. Ursächlich sind die hohen interdisziplinären Anforderungen, die mit der Mikrobiomforschung verbunden sind. Um klinisch relevante Fragestellungen zu identifizieren und dazu passende Kooperationspartner zu vernetzen, gründete unsere Arbeitsgruppe die Deutsche Studiengruppe für Klinische Mikrobiomforschung (DSKM). Diese Gruppe soll in Zukunft als Kristallisationspunkt für translationale klinische Studien dienen.

Studien zur Problematik der Kolonisierung mit multiresistenten Erregern

Unsere Arbeitsgruppe untersucht präventive und therapeutische Ansätze im Umgang mit Kolonisierungen und Infektionen durch multiresistente Erreger. Im Mittelpunkt dieser Initiativen stehen die im Rahmen der Thematic Translational Unit: Healthcare-associated and Antibiotic-resistant Bacterial Infections (HAARBI) des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF) entstandenen Projekte. In diesen Projekten wird anhand multizentrischer Studien der Einfluss von Hygienemaßnahmen im Hochrisikobereich, z.B. einer Kontaktisolation, auf die Kolonisierungsrate mit Extended Spektrum ß-Laktamase bildenden Enterobakterien (ESBL-E) und Vancomycin-resistenten Enterokokken (VRE) untersucht. Des Weiteren wird in einer randomisierten, kontrollierten Studie die Wirksamkeit einer oralen Antibiotikakombination zur Eradikation von ESBL-tragenden Enterobakterien aus dem Intestinaltrakt von Hochrisikopatienten untersucht.

Ebenfalls im Kontext des DZIF beteiligt sich unsere Arbeitsgruppe an Studien zur qualitativen und quantitativen Beschreibung des antibiotischen Selektionsdrucks. Obwohl das Prinzip des antibiotischen Selektionsdrucks durch epidemiologische Daten gestützt wird, ließ es sich bisher aufgrund fehlender Quantifizierungsmöglichkeiten nicht für verschiedene Antibiotikagruppen spezifizieren. Die Technik des Metagenome shotgun sequencing erlaubt es nun, den Pool aller Resistenzgene kultivierbarer und nicht kultivierbarer Organismen sowie die unter einer antibiotischen Therapie auftretenden Veränderungen zu analysieren.

Fördermittel
Ausgewählte Publikationen

Tacke D, Wisplinghoff H, Kretzschmar A, Farowski F, Koehler P, Herweg J, Cornely OA, Vehreschild MJGT
First implementation of frozen, capsulized faecal microbiota transplantation for recurrent Clostridium difficile infection into clinical practice in Europe
Clin Microbiol Infect. 2015 Jul 8. [Epub ahead of print]

Heimann SM, Vehreschild JJ, Cornely OA, Wisplinghoff H, Hallek M, Goldbrunner R, Böttiger BW, Goeser T, Hölscher A, Baldus S, Müller F, Jazmati N, Wingen S, Franke B, Vehreschild MJGT
Economic burden of Clostridium difficile associated diarrhoea: a cost-of-illness study from a German tertiary care hospital
Infection. 2015 Jun 30. [Epub ahead of print]

Vehreschild MJGT, Hamprecht A, Peterson L, Schubert S, Häntschel M, Peter S, Schafhausen P, Rohde H, v. Lilienfeld-Toal M, Bekeredjian-Ding I, Libam J, Hellmich M, Vehreschild JJ, Cornely OA, Seifert H
A multicentre cohort study on colonization and infection with extended-spectrum ß-lactamase producing Enterobacteriaceae in high-risk patients with haematological malignancies
J Antimicrob Chemother. 2014 Dec;69(12):3387-92

Vehreschild MJ, Weitershagen D, Biehl LM, Tacke D, Waldschmidt D, Töx U, Wisplinghoff H, v. Bergwelt-Baildon M, Cornely OA, Vehreschild JJ
Clostridium difficile infection in patients with acute myelogenous leukemia and patients undergoing allogeneic stem cell transplantation – epidemiology and risk factor analysis
Biol Blood Marrow Transplant. 2014 Jun;20(6):823-8

Vehreschild MJ, Liss BJ, Cornely OA
Intestinal colonisation and blood stream infections due to vancomycin-resistant enterococci (VRE) and extended-spectrum beta-lactamase-producing Enterobacteriaceae (ESBLE) in patients with haematological and oncological malignancies
Infection. 2013 Oct;41(5):1049-50

Vehreschild MJ, Vehreschild JJ, Hübel K, Hentrich M, Schmidt-Hieber M, Christopeit M, Maschmeyer G, Schalk E, Cornely OA, Neumann S
Diagnosis and management of gastrointestinal complications in adult cancer patients: evidence-based guidelines of the Infectious Diseases Working Party (AGIHO) of the German Society of Hematology and Oncology (DGHO)
Ann Oncol. 2013 May;24(5):1189-202

Vehreschild MJ, Meissner AM, Cornely OA, Maschmeyer G, Neumann S, von Lilienfeld-Toal M, Karthaus M, Wattad M, Staib P, Hellmich M, Christ H, Vehreschild JJ
Clinically defined chemotherapy-associated bowel syndrome predicts severe complications and death in cancer patients
Haematologica. 2011 Dec;96(12):1855-60

Das Team

Dr. Lena Biehl, Prüfärztin
Elena Braun, Doktorandin
Vanessa Bücker, Doktorandin
Marta Rebeca Cruz Aguilar, Prüfärztin
Dr. rer. medic. Fedja Farowski, Bioinformatiker
Rafael Hartel, Doktorand
Alexandra Huth, Doktorandin
Larisa Idrizovic, Study Nurse
Stephan Körfgen, Study Nurse
Angelina Lagodny, Teamassistentin
Tatjana Lammertz, Study Nurse
Kathrin Peter, Doktorandin
Rosemarie Petri, Doktorandin
Nick Schulze, Fachinformatiker
Bill Schwieren, Doktorand
Justine Stanik, Finanzen & Verträge
Anastasia Tsakmaklis, PhD Studentin
Arhamhabib Ullah, Doktorand
Andrea Will, Study Nurse

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